Auf einen Blick

Von 15 Jahren PHP-Monolith zu einer geschichteten Java-Architektur

Ein zentrales ERP- und Finanzsystem trägt zehn Fachdomänen in einer Codebasis. Über 15 Jahre sind rund 200 Elementarprozesse und eigene Kernbausteine hinzugekommen, darunter eine hauseigene State Machine und eine eigene Formelsprache. Die Spezifikation existierte im Code und in den Köpfen der Entwickler, nicht in der Dokumentation. Wir haben das System zuerst vermessen, dann seine Fachlogik mit KI rekonstruiert und anschließend auf eine geschichtete Zielarchitektur mit Java Spring Boot gebracht.

65 Personentage

menschliche Arbeit über alle vier Phasen

Faktor 8

weniger Aufwand gegenüber klassischem Vorgehen

10 Fachdomänen

vollständig spezifiziert und migriert

1.100 Function Points

nach ISO 14143 vermessen und dokumentiert

Die Challenge

Ein stabiles System, das still wächst. An technischer Schuld.

Das System lief stabil und war weitgehend abgeschrieben. Die laufenden Kosten fielen kaum auf, die technische Schuld wuchs trotzdem weiter. Zehn Fachdomänen teilten eine Codebasis, Berechtigungen und Prozesssteuerung liefen über Eigenbauten, Schema-Änderungen entstanden von Hand.

Drei Wege standen zur Debatte. Weiterlaufen lassen verschiebt das Problem. Ein Neubau mit gleicher Funktionalität bindet ein Budget, das keinen fachlichen Mehrwert schafft. Eine lange Analysephase bindet die Fachbereiche über Monate und endet häufig bei Folien statt bei Ergebnissen.

Hinzu kam: Die Spezifikation des Systems existierte nicht auf Papier. Sie lebte im Code und im Erfahrungswissen einzelner Entwickler. Jede Modernisierung ohne vorherige Rekonstruktion dieses Wissens wäre auf einer unsicheren Grundlage gestartet.

Die Lösung

Erst vermessen, dann verstehen, dann bauen. Jede Phase mit einem verwertbaren Ergebnis.

Wir haben uns für einen vierten Weg entschieden: zuerst vermessen, dann verstehen, dann bauen. Jede Phase liefert ein Ergebnis, das unabhängig von den folgenden Schritten verwertbar ist. Fachbereich, IT und Einkauf sprechen damit von Anfang an über dieselbe Zahlenbasis.

Den Ausgangspunkt bildete eine KI-gestützte Function-Point-Analyse nach ISO 14143. Das Verfahren ist etabliert und herstellerneutral. Es misst den fachlichen Umfang über Eingaben, Ausgaben, Datenbestände und Schnittstellen und liefert damit eine objektive Grundlage für Aufwands- und Budgetschätzungen — bevor ein einziger Euro Entwicklungsbudget fließt.

In der zweiten Phase rekonstruierten wir die Fachlogik aus drei unabhängigen Quellen: Source Code, vorhandene Dokumentation und automatisierte Tests am laufenden System. Daraus entstanden ein vollständiges Domänenmodell, strukturierte Use Cases und Regeln und Algorithmen als Pseudocode. In der dritten Phase legten wir die Zielarchitektur fest: strikt geschichtet, je Fachdomäne ein Paket, Abhängigkeiten nur nach unten. Vier Eigenbauten wurden durch etablierte Standards ersetzt.

In der Umsetzungsphase arbeitete ein Squad aus mehr als zehn KI-Agenten parallel an Design, Implementierung, Test und Qualitätssicherung. Erfahrene Entwickler steuerten die Orchestrierung und trafen alle wesentlichen Architektur- und Qualitätsentscheidungen. Weil die Anforderungen aus Phase 2 lückenlos vorlagen, konnten die Agenten sinnvoll parallel arbeiten.

Vermessung nach ISO 14143

Herstellerneutrale Function-Point-Analyse als objektive Grundlage für Aufwand und Budget

KI-gestütztes Reverse Engineering

Fachlogik aus Source Code, Dokumentation und Tests rekonstruiert

Vollständige Spezifikation

Domänenmodell, Use Cases und Algorithmen als Pseudocode dokumentiert

Geschichtete Zielarchitektur

Java Spring Boot, je Fachdomäne ein Paket, Abhängigkeiten nur nach unten

KI-Agenten-Squad

Mehr als zehn Agenten parallel in Design, Implementierung, Test und QS

Marktgängige Technologien

Java, Spring Boot, MariaDB, Flyway, Flowable und Docker, breit verfügbar am Markt

Das Ergebnis

65 Personentage menschliche Arbeit, wo klassische Projekte über 500 erfordern.

Über alle vier Phasen summiert sich die menschliche Arbeit auf 65 Personentage, gegenüber über 500 im klassischen Vorgehen. Die Arbeit verschwindet dabei nicht, sie verlagert sich vom Schreiben auf das Prüfen und Entscheiden.

Die Vermessung nach ISO 14143 kostete 3 Personentage, klassisch wären es rund 15. Die Spezifikation der Fachlogik lag bei 7 Personentagen, gegenüber rund 120 im klassischen Vorgehen. Planung und Architekturentscheidung beanspruchten 5 Personentage statt rund 40. Die Umsetzung schloss mit 50 Personentagen ab, wo klassische Projekte dieser Größe rund 330 veranschlagen.

Neben der Aufwandsreduzierung liefert das Projekt zwei weitere Ergebnisse, die über den Go-live hinaus wirken. Das Fachwissen liegt erstmals vollständig dokumentiert vor: Domänenmodell, Use Cases und Rechenregeln sind schriftlich fixiert und bleiben dem Unternehmen erhalten, unabhängig davon, welche Personen es künftig verlassen. Und die Zielarchitektur setzt auf Technologien mit breiter Marktabdeckung. Betrieb und Wartung bleiben langfristig planbar, und die freie Wahl bleibt erhalten, wer das System weiterentwickelt.

PhaseAufwandKlassischer Erfahrungswert
Vermessen3 PTca. 15 PT
Verstehen7 PTca. 120 PT
Planen und entscheiden5 PTca. 40 PT
Umsetzen50 PTca. 330 PT
Summe65 PTüber 500 PT
Faktor 8 weniger Aufwand

65 statt über 500 Personentage menschliche Arbeit

Fachwissen dokumentiert

Domänenmodell, Use Cases und Algorithmen schriftlich fixiert

Zielarchitektur zukunftssicher

Marktgängige Technologien, freie Wahl bei Betrieb und Weiterentwicklung

10 Fachdomänen migriert

Vollständig spezifiziert, architektonisch sauber getrennt

4 Eigenbauten abgelöst

State Machine, Formelsprache, Rechtesystem und Schema-Änderungen durch Standards ersetzt

Belastbare Kostenbasis

Function-Point-Analyse vor erstem Entwicklungsbudget — Fachbereich, IT und Einkauf auf einer Zahl

„Dieses Projekt zeigt, was strukturiertes Vorgehen mit KI in der Legacy-Modernisierung leisten kann.“

Unser Beitrag

Wir haben nicht einfach Code transformiert, sondern zuerst verstanden, was das System tut, warum es so gebaut wurde und welche Logik es trägt. Erst auf dieser Grundlage haben wir gebaut.

Der Ansatz ist reproduzierbar. Was wir hier erprobt haben, lässt sich auf jedes Legacy-System übertragen, das über Jahre gewachsen ist und dessen Dokumentation nicht mehr mit der Realität übereinstimmt. Die Function-Point-Analyse schafft Transparenz, bevor Budgetentscheidungen fallen. Die KI-gestützte Spezifikation macht implizites Wissen explizit. Und die geschichtete Zielarchitektur sorgt dafür, dass das neue System nicht in zehn Jahren dieselben Probleme hat wie das alte.

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Portraitfoto von Martin Cremer, Head of Cloud Solutions

Martin Cremer

Head of Cloud Solutions & Managed Services
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