Datensouveränität Score auf Magazin Cover

Unternehmen müssen ihren Anteil an der Wertschöpfung klar definieren und entscheiden, welche Leistungen sie selbst erbringen und welche sie zukaufen. Gleichzeitig gilt es, die daraus entstehenden Risiken aktiv zu steuern. Ein klassisches Beispiel dafür ist die Automobilindustrie. Diese Logik lässt sich direkt auf die Digitalisierung übertragen.

Daten und digitale Systeme sind heute nicht mehr nur unterstützende Elemente, sondern ein zentraler Bestandteil der Wertschöpfung. Damit gewinnt die Digitale Souveränität erheblich an Bedeutung – sowohl für Unternehmen als auch für die öffentliche Hand.

Die geopolitischen Entwicklungen der letzten Jahre haben bestehende Abhängigkeiten in Europa verstärkt. Laut Euro Stack Report werden über 80 Prozent der digitalen Infrastruktur und Technologien importiert. Mit der Dynamik im Bereich Künstliche Intelligenz besteht das Risiko, dass sich diese Abhängigkeit weiter intensiviert.

Was bedeutet Digitale Souveränität?

Digitale Souveränität beschreibt die Fähigkeit von Organisationen, Kontrolle über ihre digitalen Systeme, Daten und Abhängigkeiten zu behalten. Im Kern lassen sich fünf zentrale Kriterien unterscheiden:

Datenresidenz: Daten werden im europäischen Wirtschaftsraum verarbeitet und gespeichert.

Zugriffskontrolle: Betreiberzugriffe sind strikt limitiert, transparent und auditierbar.

Resilienz: Systeme bleiben auch in kritischen Situationen verfügbar und stabil.

Unabhängigkeit: Architekturen vermeiden Lock-in-Effekte, beispielsweise durch den Einsatz von Open Source.

Rechtlicher Rahmen: Partner und Betreiber agieren innerhalb des europäischen Rechtsraums.

Digitale Souveränität als politische Aufgabe

Die Stärkung digitaler Souveränität ist eine zentrale politische Aufgabe. Vorgaben bei Beschaffung und Vergabe können gezielt dazu beitragen, europäische Technologien zu fördern. Ansätze wie „Buy European“ stellen dabei keine Wettbewerbsverzerrung dar, sondern gleichen internationale Rahmenbedingungen an, die in anderen Märkten bereits etabliert sind.

Digitale Souveränität als unternehmerische Entscheidung

Auf Unternehmensseite bedeutet Digitale Souveränität, jede technologische Entscheidung bewusst zu treffen und den Grad der Abhängigkeit zu bewerten. Neben Kosten und Innovationsfähigkeit muss auch die langfristige Kontrolle über Systeme und Daten berücksichtigt werden.

Ziel ist kein vollständiger Verzicht auf externe Anbieter, sondern eine bewusste Steuerung von Abhängigkeiten und eine schrittweise Erhöhung des eigenen Souveränitätsgrades.

Ein pragmatischer Ansatz statt komplexer Frameworks

Mit dem Cloud Sovereignty Framework stellt die EU ein Modell zur Bewertung von Souveränität bereit. In der Praxis erweist sich dieses jedoch häufig als komplex und schwer anwendbar. Eine klare Orientierung an den zentralen Kriterien ist oft zielführender und leichter in Entscheidungsprozesse zu integrieren.

Praktische Umsetzung bei Liongate

Liongate entwickelt und betreibt seit über zehn Jahren Cloud-Lösungen mit hohen Anforderungen an Sicherheit und digitale Souveränität. Für Kunden bedeutet das:

Einsatz von Open Source Komponenten, wo sinnvoll und wirtschaftlich

Entwicklung von Zero-Trust-Architekturen für maximale Kontrolle

Umsetzung hybrider und Multi-Cloud-Strategien zur Vermeidung von Abhängigkeiten

Nutzung von Hyperscalern wie AWS oder Stackit abhängig von den jeweiligen Anforderungen

Der Einsatz konkreter Technologien folgt dabei keinem Dogma, sondern orientiert sich an den Anforderungen des jeweiligen Systems und Prozesses.

Digitale Souveränität intern umsetzen

Digitale Souveränität wird bei Liongate nicht nur für Kunden umgesetzt, sondern auch intern gelebt. Dabei verfolgen wir eine Cloud-first-Strategie, setzen jedoch in ausgewählten Bereichen bewusst auf maximale Unabhängigkeit:

Eigenes Identity- und Access-Management ohne externe Abhängigkeiten

Eigene Cloud-Infrastruktur auf Basis von Nextcloud

Betrieb eines eigenen Mailservers

Eigenentwickeltes ERP-System für zentrale Geschäftsprozesse

Diese Entscheidungen gehen teilweise mit Kompromissen in der Nutzererfahrung einher, schaffen jedoch ein hohes Maß an Kontrolle, Flexibilität und langfristiger Unabhängigkeit.

Digitale Souveränität als kontinuierlicher Prozess

Digitale Souveränität ist kein statischer Zustand, sondern ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess. Unternehmen sollten ihre Abhängigkeiten regelmäßig überprüfen und ihre Architektur schrittweise weiterentwickeln.

Entscheidend ist nicht die vollständige Autarkie, sondern die Fähigkeit, bewusst zu entscheiden und jederzeit handlungsfähig zu bleiben.

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