Digitale Transformation durch die eSIM –Chancen und Risiken für Telekommunikationsunternehmen – Eine Einschätzung von Andreas Grote, Senior Projektmanager eSIM bei der LionGate AG

Die eSIM kommt, das ist sicher. Das, was Apple als Vorreiter mit seiner programmierbaren iPad SIM als Novum in die digitale Welt gebracht hat, wird den Mobilfunkmarkt in den kommenden 5-10 Jahren grundlegend verändern. Vielleicht aber auch nur geringfügig sagen die Skeptiker aus der Branche. Sicher wird es zu neuen Geschäftsmodellen kommen sagen die, die den etablierten Netzbetreibern und Service Providern in Zukunft mit der eSIM Konkurrenz machen wollen: Die MVNO‘s, Endgerätehersteller, Apples, Googles & Co. der modernen digitalen Welt.

Die eSim ist eine durch den Netzbetreiber mit seinem Profil programmierbare, nicht-austauschbare Sim-Karte, die fest im Endgerät verbaut ist. Allerdings lädt sich der Kunde das elektronische SIM-Profil des Netzbetreibers nicht von dessen Servern auf sein Endgerät, hier werden die heutigen SIM Karten Hersteller wie z.B. Gemalto oder Giesecke & Devrient die zentrale Rolle spielen. Mussten physische SIM-Karten bisher manuell ausgewechselt werden, beispielsweise bei einem Defekt oder einem Wechsel des Anbieters, so wird das in Zukunft ebenso überflüssig wie die damit verbundene Logistik. Die eSIM macht vieles einfacher. Auch den Gang in den nächsten Shop. Allerdings verlieren die Händler damit auch die Möglichkeit des Kundenkontakts und der Kundenbindung am POS. Die GSM Association (GSMA), welche derzeit die letzten Details für den Standard der eSIM mit den Netzbetreibern, OEM’s und SIM-Kartenherstellern aushandelt und verbindlich für hunderte von Netzbetreibern weltweit festlegt, sieht vor, dass die nur wenige Millimeter dünnen SIM-Chips bei der ersten Inbetriebnahme oder einem Anbieterwechsel mit einem neuen Profil konfiguriert werden.

Die eSIM verbindet kleine Geräte wie Fitness-Tracker oder Smartwatches mit dem Internet. Klassische SIM-Karten haben da keinen Platz. „Die eSIM ist eine Technologie, die die Mobilfunkbranche komplett verändern wird“, sagt Markus Meukel von der Unternehmensberatung McKinsey[i]. Dies betrifft sowohl die industrielle Nutzung der Technologie in fest eingebauten Modulen und der Sensorik, oft als ‚Internet der Dinge‘ bezeichnet, als auch die enormen Marktchancen im Konsumentenumfeld, führen die Experten der McKinsey an.

Was bedeutet diese Entwicklung konkret für die Telco-Branche?

Die eSIM wird den Markt in jedem Fall verändern: Hersteller von SIM-Karten beispielsweise werden sich künftig nicht wie bisher mit den Netzbetreibern abstimmen müssen, sondern mit den Geräteherstellern. Damit Kunden auch mit einer eSIM die länderübergreifende Anbieterwahl mit einer Karte erhalten, müssen alle Provider mitspielen.

Mögliche Vorteile und Chancen aus der Netzbetreiber- und Anbietersicht:

Neue Produkte und multi devices

Es wird prognostiziert, dass in Kürze weitere Consumer-Elektronik-Geräte – wie etwa Wearables (Smartwatches, 3D-Brillen, etc.), Kleidungsstücke, medizinische Geräte – über die eSIM direkt an das Mobilfunknetz angebunden werden.[ii] Vodafone war im März 2016 mit der eSIM Smartwatch Samsung Gear S2 Vorreiter. Ab Mitte 2018 sollen auch die ersten Smartphones von Apple, Samsung und anderen großen Herstellern mit eSIM auf den Markt kommen und das Thema eSIM damit endgültig in den Fokus des Kerngeschäfts der Mobilfunkbetreiber rücken. So ergeben sich neue Vertriebskanäle und neue Produkte für die Hersteller, aber auch für die Mobilfunkanbieter. „Denn durch die Möglichkeit, immer mehr Geräte zu vernetzen, werden neue Geschäftsmodelle für die Anbieter entstehen“, sagt Markus Meukel.[iii]

Einsparpotentiale in der SIM-Logistik

Derzeit müssen SIM-Karten produziert und in die Vertriebskanäle distribuiert werden. All das entfällt mit Einführung des elektronischen Profils auf der eSIM.

Mögliche Nachteile und Risiken aus der Netzbetreiber- und Anbietersicht:

Disruptive Geschäftsmodelle

Experten sehen die eSIM Einführung mit Sorge, werden doch Geschäftsmodelle der Mobilfunkanbieter grundlegend in Frage gestellt: „Diese Entwicklung – und die parallel laufende Standardisierung der technischen Grundlagen für den Einsatz – wirft viele strategische Fragen für die Mobilfunkanbieter auf. Denn es gilt, eine Strategie für den Umgang mit neuen Wettbewerbern aus Digitalwelt und Hardwaregeschäft zu entwickeln und auf die Veränderungen in der Wertschöpfungskette der Mobilfunkindustrie zu reagieren.“ [iv] Das dort die Wettbewerbsbehörden ein mächtiges Wort mitreden werden ist jedoch sehr wahrscheinlich: „Eine Art Uber für den Mobilfunk, das mit einem disruptiven Geschäftsmodell den Markt aufmischt, wird es jedoch solange nicht geben, wie die Wettbewerbsbehörden den Markt nicht zu einer Öffnung zwingen. Die eSIM wird da nichts ändern, sondern die bestehenden Machtverhältnisse am Markt möglicherweise sogar noch zementieren.[v] In die gleiche Richtung zielt die Telekom. Sie will den Netzwechsel unterbinden.[vi]

Verlust der Kontrolle und der Kundenbeziehung

Den Zugang zum Kunden über subventionierte Endgeräte, bislang die Domäne der Mobilfunkanbieter, könnten zukünftig die Endgerätehersteller selbst blockieren. Er könnte vorgeben, welche Anbieter er den Kunden zur Auswahl stellt oder gar Tarife im eigenen Namen anbieten.

Die eSIM kommt, das ist sicher. Und das erfordert tiefgreifende Eingriffe in die IT-Systeme der Netzbetreiber. Der SIM-Vertrieb, die IT- wie auch die Logistikabläufe sind in allen Prozessen auf die eSIM neu auszurichten. Es bietet sich bei der Gelegenheit die Möglichkeit viele Abläufe zu optimieren. Denn die SIM fristete bislang bei vielen Mobilfunkunternehmen ein stiefmütterliches Schattendasein. Stets waren die Endgeräte das Objekt der Begierde. In Verbindung mit dem neuen Standard 5G soll die eSIM künftig eine sprunghafte Verbesserung in der globalen Vernetzung von Geräten ermöglichen. Dieses neuartige Funknetz wird erst mit der eSIM wesentlich dazu beitragen das „Internet der Dinge“ (IoT) möglich zu machen.

Kontaktieren Sie uns um zu erfahren, wie Sie LionGate mit geeigneten Strategien und Lösungen hierzu unterstützen kann.

 

 

 

[i] Vgl. Handelsblatt Online vom 02.06.2016 „Das Übernetz und die Super SIM“

[ii] Vgl. ebenda

[iii] Vgl. ebenda

[iv] Vgl. ebenda

[v] Vgl. heise.de „Schluss mit Kärtchen“ 05.02.2016

[vi] Vgl. Pieruschka, 05.02.2016 in 4g.de „eSIM: Telekom will Netzwechsel unterbinden“